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Johann Adam Freiherr von Ickstatt - Ein Portrait

Johann Adam Ickstatt wurde am 6. Januar 1702 zu Vockenhausen bei Frankfurt am Main geboren.

Da der Knabe wenig Interesse für den Beruf seines Vaters (Hammerschmied) zeigte, kam es zu körperlichen Züchtigungen. Nach dem Besuch des Mainzer Gymnasiums wanderte er nach Paris, wo er seinen Lebensunterhalt durch Privatunterricht bestritt. Nach Verbrauch der ganzen Barschaft verdingte er sich als Matrose und segelte nach England. Als Ickstatt mit 23 Jahren nach Deutschland zurückkehrte, studierte er an den Universitäten Marburg und Mainz.

Bedeutungsvoll für Ickstatt war 1741 der Ruf nach München. Von dort wurde er nicht nur als Professor "zur besseren Einrichtung der in große Abnahme verfallenen [Landes-] Universität" Ingolstadt bestimmt, sondern auch als Direktor derselben. Ickstatt hatte damit einen Doppelposten. Als Direktor hatte er über die regelmäßige Abhaltung der Vorlesungen zu wachen, auch studentischer Unordnung Einhalt zu gebieten. Seine zweite Aufgabe war, als Professor selbst zu lehren.

Die Aufmerksamkeit Ickstatts widmete sich besonders dem Schulwesen. Nach seiner Meinung sollte dieses entsprechend den Bedürfnissen der Gesellschaft eingerichtet werden.

Es ist Sorge zu tragen, "dass in den Dorf- und Landschulen den zur Cultur des Landes und anderen landwirtschaftlichen Geschäften gewidmeten Kindern, nebst den nötigen Glaubenslehren und Pflichten gegen ihre vorgesetzten Obrigkeiten gründlicher Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, auch das Vorzüglichste aus der Landwirtschaft, vom Ackerbau, Viehzucht und übrigen ökonomischen Geschäften ... gelehrt und praktisch vorgezeigt, in den Städten und Märkten hingegen für Künste, Professionisten und Handwerker gute Realschulen angelegt würden."

Er wünschte vor allem für künftige Handwerker, Geschäftsleute und Künstler Realschulen anzulegen, an denen Mathematik und Naturwissenschaften im weitesten Umfang zu lehren und durch Instrumente und Experimente zu erklären wären. Auch an der Abfassung von Schulbüchern wollte er sich beteiligen.

Nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 und der damit verbundenen Neuordnung der Universität Ingolstadt entwickelte Ickstatt einen Plan, der eine Reform des gesamten Schulwesens beinhaltete, insbesondere die Gründung von Realschulen in ganz Bayern vorsah, in einer Rede vor der Akademie in München. Aber die Herren Akademiker hielten es nicht für ihre Aufgabe, sich um das Schulwesen - zumal um das niedere - zu kümmern.

In Ingolstadt freilich hatte Ickstatt freie Hand behalten, und hier war der Andrang zu der neu eingerichteten Realschule groß.

In einem Bericht vom 1. Juni 1775 an den Geheimrat Lori urteilt Ickstatt über die Prüfung der II. Klasse der Realschule in Ingolstadt folgendermaßen: "Heut habe ich dem Examen der 2te Claß der Realschule beygewohnt. Die Knaben haben nach meiner Methode in allen Gegenständen Wunder von Geschicklichkeit bewiesen. ... ... aus diesen Erstlingen siehet man schon, daß, wenn man so fortfahret, Bayern in 20 Jahren in einer gantz andern Gestalt ersteen wird. Aus Schülern, die allesambt Mathematici, Historici, Physici, Philosophen etc, seynd, muß ja endlich das gantze Land von unten bis oben vernünftig werden, vernünftig handeln und so stuffenweiß zu seiner größten Vollkommenheit aufsteigen."

Ickstatt starb auf einer Dienstreise am 17. August 1776 zu Waldsassen.

Wolfgang Jakob
(nach: Gerhard Wilczek: Johann Adam Freiherr von Ickstatt, 1978)